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MUSIK

Immer in Bewegung:

Der “Swing” reisst die Zuhörer – und die Tänzer – immer wieder mit. Auch bei den Proben.

Was haben Frank Sinatra und Robbie Williams gemeinsam? Mit Sicherheit verbindet diese beiden Weltklasse-Entertainer ein untrügbarer Sinn für das Schöne – Sinatra war mit Ava Gardner verheiratet und Williams reanimierte den unsterblichen Klassiker „Something Stupid“ im Duett mit Nicole Kidman. Bekannt sind die Beiden auch für ihren dionysischen Lebensstil. Als wahre Glückskinder überstanden sie unzählige Exzesse, Gefängsnisaufenthalte sowie Karriereknicks und feierten fulminante Comebacks.


Die Klammer, die Sinatra mit Williams und beide schließlich mit Cole Porters „Anything Goes!“ verbindet ist die Musik. Es ist eine Stilrichtung, die bis heute das Etikett „Swing“ trägt. Frank Sinatra prägte diesen Stil entscheidend mit und Robbie Williams huldigte ihm mit seinem 2001 erschienenen Album „Swing when your winning“.


Swing steht zum einen für ein rhythmisch-dynamisches Phänomen und eines der Grundelemente des Jazz. Durch die minimale Verschiebung der Betonungen innerhalb des Taktes vom Puls (den vier Taktschlägen oder Beats) weg entsteht ein „federnder“, als „Swing-Feeling“ bezeichneter Rhythmus-Eindruck. Zum anderen bezeichnet Swing eine Stilrichtung des Jazz, die ihre Wurzeln in der Zeit der 1920er bis 1930er Jahre in den USA hat. Dort bildete sich aus vorangegangenen Stilrichtungen wie dem Dixieland- und dem Chicago -Jazz eine neue Musikrichtung heraus, die letztendlich ihre große Popularität aus ihrer Tanzbarkeit und ihrem vollen Sound ableitete. Die Verbreitung des Swing ist untrennbar mit der Entstehung der Bigband verbunden, oftmals auch als Jazzorchester bezeichnet, was auf die Größe der Besetzung schließen lässt. Waren bis dato Formationen in der Größe von Trios bis Oktetts die Regel, so stellte die Bigband nun ein absolutes Novum dar. Aus ihrer Größe folgten Änderungen in der Art des Musizierens, aber auch eine breite Palette an neuen musikalischen Möglichkeiten.
Diese Palette zeigt sich in Cole Porters „Anything Goes!“ in ihrer ganzen Fülle. Neben „I get a kick out of you“, „Du bist top“ oder  „De-lovely“ finden sich zahlreiche Klassiker der Swing-Ära. „Zu lieben so leicht“, „Nacht, wie gemacht…“ oder und „Adieu, schöner Traum“ sind Balladen, getragen von herrlichen melodischen Einfällen und harmonischer Rafinesse. 


Der leicht schräge Humor, der das Libretto so reizvoll macht findet sich in der Musik wieder. Während moderne Musicals allzu oft in falschem Pathos schwelgen und vermeintlich große Gefühle bis zur unfreiwilligen Groteske aufblasen ist bei Cole Porter noch Platz für das unverbindliche Spiel, für ironische Brechung und die Lust an der Clownerie.


So darf hier der stets betrunkene Börsenmakler Elisha Whithney im „Ruderlied“ seiner Mama imponieren wollen und die Solo-Violine begleitet ihn dabei „drunkenly“. Passagiere und Besatzung singen in „Der Gangster, von dem man spricht“ eine Hymne an die Schwerverbrecher Nummer eins und Nummer zwei. Der englische Lord Evelyn Oakley gibt in „Gypsy in me“ überraschende Einblicke in seine Familiengeschichte während sich in der Musik spanische, slawische und sonstige folkloristische Einflüsse zu einem irren Mix verbinden. 


Moonface Martin schließlich schießt den Vogel ab, wenn er in „Mach´s wie der Grünspecht“ Lebensweisheiten aus einem australischen Buschsong bezieht. Mit „Anything Goes!“ und „Leg los, Gabriel!“ finden sich zwei fulminante Shownummern wieder. Hier zeigt sich besonders die Qualität der Arrangements und der Chorsätze, eben der spezielle Sound,der Cole Porters Songs so unverwechselbar macht.


Die Leichtigkeit des Seins ist in „Anything Goes!“ nicht nur erträglich sondern darüber hinaus sehr vergnüglich. 
Und nun raten Sie mal: Wer landete 1943 einen Hit mit „I get a kick out of you“? Kleiner Tip: Robbie Williams war es nicht!

von Marcus Englert